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Nanga Parbat

Gustavo Santaolalla

Nanga Parbat - Gustavo Santaolalla

(c) Königskinder

So ist es also damals am Nanga Parbat abgelaufen – jedenfalls dann, glaubt man Joseph Vilsmaier und seinem Berater Reinhold Messner. „Nanga Parbat“ ist die Verfilmung eines Traums der scheiterte und mit dem Tod des 22jährigen Günther Messner am 29. Juli 1970 endete. Was nun wirklich am neunhöchsten Berg der Welt geschah, wird wohl nie mehr in Erfahrung zu bringen sein. Fakt ist nur, seit jenem tragischen Geschehen gibt es eine nicht enden wollende, in den Medien ausgetragene, Schlammschlacht um den Tod des jungen Bergsteigers. Die überlebenden Mitglieder der Seilschaft werfen Reinhold Messner bis heute vor, dass er aus übertriebenem Ehrgeiz den Tod des Bruders verschuldet hat, Messner wiederum unterstellt ihnen unterlassene Hilfeleistung.
Schön wäre es gewesen, hätte Vilsmaier dieses Problem mit aufgegriffen – leider aber tat er es nicht. Sein „Nanga Parbat“ ist Messners Plädoyer um die Unschuld des eigenen Tuns und Vilsmaier nimmt, auch wenn er immer wieder erklärt, er habe alles genauestens überprüft, Partei. Was bleibt sind atemraubende, wunderschöne Bilder der Bergwelt des Himalaja und Ost- und Südtirols, denn die Bergaufnahmen der Klettertour entstanden sozusagen in Messners Wohnzimmer. Diese Bilder sind – neben der Filmmusik von Oscar-Preisträger Gustavo Santaolalla – das einzig Überzeugende des Films. Und für diese Bergaufnahmen lohnt sich dann auch nur der Gang ins Kino, erst auf der großen Leinwand kann der Himalaja seine wahren Größe entfalten, da wird die DVD nur sehr schwer mithalten können.
Überzeugend auch die Musik von Gustavo Santaolalla. Wo in herkömmlichen Bergfilmen Sinfonie-Orchester à la Richard Strauss‘ „Alpensinfonie“ ein gewaltiges Melodiengebirge auftürmen, hat sich Gustavo Santaolalla einen anderen – konzentrierten - Weg. Regisseur Vilsmaier bekundete seine Zufriedenheit mit dem Score in den Worten: „Kein Gedudel wie bei vielen Bergfilmen“. Und damit hat er des Pudels Kern getroffen: Santaolalla dudelt nicht, seine Musik erzählt auf Zwischenebenen die Geschichte – er baut Emotionen auf, nur um sie sofort in ihr Gegenteil zu kehren. Gitarren, folkloristische Klänge und auch die Elektronik sind hier tonangebend. Sicher für viele ungewohnt, aber gerade das macht den Reiz dieses Scores aus. Santaolallas Himalaja entsteht im Kontrast zwischen absoluten pianissimo Stellen und gewaltigen Crescendos – ein in Töne gefasster Nanga Parbat – der ohne Übertreibung seine Größe entfaltet und auch nur durch einen einzelnen Ton symbolisiert werden kann. Nur einmal lässt sich der argentinische Superstar durch den alpenländischen Raum unter die Arme greifen. Bei „Where The Mountains Meet The Sky“ ist Alpenrocker und Weltmusiker Hubert von Goisern mit von der Bergtour. Uwe Golz

Film: ** 1/2

Soundtrack: **** (Königskinder)